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Hinweis
Die Veranstaltung ist vorbei.
Podiumsdiskussion zur Gesundheitsversorgung im Wittlager Land
Mittwoch, 23. September 2026 – 18:00 Uhr
DRK Sozialzentrum Bad Essen-Wittlag, Lindenstraße 193
Anna Kebschull und Thomas Spieker im Gespräch: Welches Rezept fürs Wittlager Land?
Bericht von der Veranstaltung
Gesundheitssyndikat bringt Landratskandidierende ins Gespräch – Podiumsdiskussion mit Anna Kebschull und Thomas Spieker zu regionalem Versorgungszentrum, Notfallversorgung, Kliniknachnutzung und Hospiz.
Moderation: Claudia Körner (stellv. Vorsitzende Gesundheitssyndikat) · Dauer: ca. 1 Std. 20 Min.
Wie kann die Gesundheitsversorgung im Wittlager Land langfristig gesichert und weiterentwickelt werden? Dieser Frage stellte sich das Gesundheitssyndikat bei einer Podiumsdiskussion mit den beiden Landratskandidierenden Anna Kebschull und Thomas Spieker. Im Mittelpunkt standen dabei insbesondere die Folgen der Schließung des Krankenhauses Ostercappeln, die Nachnutzung der Liegenschaft, neue Versorgungsmodelle sowie die Zukunft der Notfallversorgung in der Region.
Das Gesundheitssyndikat hatte bewusst konkrete Fragen vorbereitet, die sich unmittelbar aus den Erfahrungen und Bedarfen vor Ort ergeben. Dabei wurde deutlich: Eine gute Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum lässt sich nicht mit einer einzelnen Maßnahme sichern. Gefragt sind vielmehr verlässliche Strukturen, neue Versorgungsmodelle und das Zusammenspiel verschiedener Akteure.
🏥 Regionales Versorgungszentrum für Ostercappeln?
Eine zentrale Frage des Abends war, welche Möglichkeiten der Landkreis hat, die Gemeinde Ostercappeln bei der Entwicklung eines regionalen Versorgungszentrums zu unterstützen. Als mögliche Perspektive wurde dabei auch die ehemalige Krankenhausimmobilie genannt. Gedacht ist an eine Kombination verschiedener Angebote – von haus- und fachärztlicher Versorgung über Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie bis hin zu Pflegeangeboten.
Thomas Spieker verwies zunächst auf die rechtlichen Rahmenbedingungen und darauf, dass ein Landkreis nicht allein über die Ansiedlung ärztlicher Angebote entscheiden könne. Gleichzeitig sprach er sich dafür aus, neue Modelle zu prüfen. Entscheidend sei, gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung und weiteren Partnern zu klären, welche Möglichkeiten für Ostercappeln konkret bestehen.
„Ich bin bei der Idee eines regionalen Versorgungszentrums total dabei.“
— Thomas Spieker
Anna Kebschull stellte ebenfalls die Entwicklung eines Gesundheitsstandortes am ehemaligen Krankenhaus in den Mittelpunkt. Dabei müsse es ihrer Ansicht nach nicht zwingend darum gehen, an einem bestimmten Begriff wie „regionales Versorgungszentrum“ festzuhalten.
„Was ich auf jeden Fall gut und richtig finde, ist, dass wir den Gesundheitsstandort, eine Art Gesundheitscampus an dem Standort des Krankenhauses, erhalten.“
— Anna Kebschull
Der Landkreis sei bereits mit niedergelassenen Ärzten, der Kassenärztlichen Vereinigung und weiteren Beteiligten im Gespräch. Auch die Ergebnisse des in Auftrag gegebenen Gesundheitsgutachtens sollen dabei helfen, den tatsächlichen Bedarf in der Region besser einzuschätzen.
🏗️ Zukunft der ehemaligen Krankenhausimmobilie
Auch die Nachnutzung der Liegenschaft nahm breiten Raum ein. Anna Kebschull berichtete von Gesprächen mit dem bisherigen Träger und weiteren Beteiligten. Dabei gehe es unter anderem um die Grundstücks- und Entwicklungsfrage sowie verschiedene mögliche Nutzungen – von Wohnangeboten mit Unterstützungsstrukturen bis hin zu Pflege- und Gesundheitsangeboten.
Gleichzeitig wurde deutlich, dass die künftige Nutzung nicht allein vom Landkreis entschieden werden kann. Thomas Spieker brachte deshalb auch weitere mögliche Partner ins Gespräch und verwies darauf, dass auch andere Träger und Organisationen interessante Partner für eine Weiterentwicklung sein könnten.
„Warum muss es NSK sein?“
— Thomas Spieker
Für beide Kandidierenden stand dabei im Vordergrund, den Standort nicht einfach aufzugeben, sondern nach tragfähigen Möglichkeiten für eine neue Gesundheitsstruktur zu suchen.
🤝 „Kümmerer“ für die Gesundheitsversorgung
Ein weiterer Schwerpunkt war die Frage, ob es eine feste Koordinierungsstelle für Gesundheitsangebote geben sollte. Gerade bei der Ansiedlung von Ärzten, der Suche nach geeigneten Immobilien und der Vernetzung unterschiedlicher Akteure könne eine zentrale Ansprechperson hilfreich sein.
Anna Kebschull verwies darauf, dass im Landkreis bereits verschiedene Strukturen und Kompetenzen vorhanden seien. Statt zwingend eine zusätzliche Stelle zu schaffen, könne man vorhandene Ressourcen stärker miteinander verbinden. Denkbar sei beispielsweise eine engere Verbindung des Gesundheitsdienstes mit der Wirtschaftsförderung und dem Flächenmanagement.
„Wir haben genug Strukturen, die wir noch mal neu bündeln können.“
— Anna Kebschull
Auch Spieker sah einen stärkeren Koordinierungsbedarf. Gerade angesichts des demografischen Wandels und der bevorstehenden Veränderungen in der ambulanten Versorgung müsse der Landkreis stärker darauf achten, welche Angebote künftig benötigt würden.
🚑 Notfallversorgung: längere Wege und neue Modelle
Besonders intensiv wurde über die Notfallversorgung gesprochen. Eine vom Gesundheitssyndikat präsentierte Karte zeigte die Erreichbarkeit von Notaufnahmen vor und nach der Schließung des Krankenhauses Ostercappeln. Die Darstellung machte sichtbar, dass sich die Wege für Teile der Bevölkerung verlängert haben.
Beide Kandidierenden unterschieden dabei zwischen der Erreichbarkeit einer Notaufnahme und der Eintreffzeit des Rettungsdienstes. Anna Kebschull verwies auf neue Möglichkeiten wie sogenannte AEF-Einsatzfahrzeuge, die insbesondere bei nicht lebensbedrohlichen akuten Erkrankungen zum Einsatz kommen könnten. Nicht jeder Fall müsse in einer klassischen Notaufnahme behandelt werden. Neue Versorgungsmodelle könnten dazu beitragen, Notaufnahmen zu entlasten und gleichzeitig Patientinnen und Patienten schneller dort zu behandeln, wo es medizinisch sinnvoll sei.
„Das Entscheidende ist, dass wir dieses System wieder entlasten.“
— Anna Kebschull
Thomas Spieker setzte einen anderen Schwerpunkt und verwies auf die Bedeutung der bestehenden Rettungsdienst- und Notarztstandorte.
„Gerade weil wir keine tolle Krankenhausfläche mehr haben, ist es wichtig, in Notarzt- und Rettungsdienststandorte so auszubauen oder so zumindest zu halten, dass eben immer noch fast jeder Einsatz pünktlich da ist.“
— Thomas Spieker
Auch die Zukunft der Notaufnahmen in Melle und Quakenbrück wurde angesprochen. Spieker machte deutlich, dass aus seiner Sicht die Grund- und Regelversorgung im Landkreis erhalten bleiben müsse: „Dafür müssen wir kämpfen wie die Löwen.“
Kebschull betonte zugleich, dass der Landkreis inzwischen besser vorbereitet sei, um auf Veränderungen in der Krankenhauslandschaft zu reagieren. Sollte sich eine Unterversorgung abzeichnen, müsse der Landkreis gemeinsam mit weiteren Akteuren handeln und gegebenenfalls auch über ein finanzielles Engagement sprechen.
🕊️ Hospiz als Teil eines zukünftigen Gesundheitsstandortes
Auch das Thema Hospiz wurde diskutiert. Das Wittlager Land verfügt hier über eine besondere Tradition, die mit der Hospizarbeit in Ostercappeln verbunden ist. Beide Kandidierenden sahen grundsätzlich Potenzial für eine Weiterentwicklung.
Thomas Spieker bezeichnete ein entsprechendes Angebot als „spannende Idee“ und verwies auf die Bedeutung von Hospiz- und Palliativversorgung.
Anna Kebschull knüpfte an die gewachsene Hospiztradition in Ostercappeln an. Gleichzeitig müsse gemeinsam mit den Akteuren vor Ort geprüft werden, welche Angebote tatsächlich benötigt und umgesetzt werden könnten.
„Was hier also in Ostercappeln im Wittlager Land ins Leben gerufen wurde, darf jetzt in Melle weiterleben.“
— Anna Kebschull
🙋 Viele Fragen aus dem Publikum
Die Diskussion blieb nicht auf die vorbereiteten Fragen des Gesundheitssyndikats beschränkt. Aus dem Publikum kamen zahlreiche Nachfragen zur stationären Versorgung älterer Menschen, zur Zukunft der Krankenhäuser im Landkreis und zu möglichen Kooperationen zwischen den verschiedenen Trägern.
Dabei wurde auch die Sorge angesprochen, dass die zunehmende Spezialisierung der Krankenhäuser zu Versorgungslücken bei älteren und chronisch erkrankten Menschen führen könnte. Beide Kandidierenden waren sich grundsätzlich darin einig, dass die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum nicht allein über klassische Krankenhausstrukturen gedacht werden könne.
Gleichzeitig wurden unterschiedliche Akzente deutlich:
- Anna Kebschull setzte stärker auf neue ambulante und sektorenübergreifende Versorgungsmodelle sowie eine Weiterentwicklung bestehender Strukturen.
- Thomas Spieker betonte insbesondere die Bedeutung der verbliebenen Krankenhäuser und der Rettungsdienststrukturen.
Beide machten zugleich deutlich, dass der Landkreis dort, wo es zur Sicherung der Gesundheitsversorgung notwendig ist, auch über eine finanzielle Beteiligung nachdenken müsse.
💪 Gesundheitssyndikat: „Wir bleiben dran“
Zum Abschluss zog das Gesundheitssyndikat ein positives Fazit. Die Veranstaltung habe gezeigt, wie wichtig es sei, die Zukunft der Gesundheitsversorgung im Wittlager Land sachlich, offen und mit konkretem Blick auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu diskutieren.
Dabei wurde auch deutlich, dass viele Fragen noch offen sind und nicht alle Lösungen heute schon abschließend beantwortet werden können. Beide Landratskandidierenden machten deutlich, dass sie keine Versprechen abgeben wollen, die sie später möglicherweise nicht halten können. Gleichzeitig wurde aber auch klar: Beide sehen Handlungsbedarf und wollen sich dafür einsetzen, die Gesundheitsversorgung im Landkreis weiterzuentwickeln und gemeinsam mit den Akteuren vor Ort Lösungen zu finden.
Für das Gesundheitssyndikat ist genau das der entscheidende Punkt. Felix Ostmann, Vorsitzender des Gesundheitssyndikats, machte zum Abschluss deutlich, dass das Syndikat selbst konkret daran arbeiten will, dass in der Region Dinge entstehen und die Gesundheitsversorgung weiter vorankommt.
Das Gesundheitssyndikat versteht die Diskussion deshalb nicht als Abschluss, sondern als Auftrag, weiter im Gespräch zu bleiben, Ideen zusammenzubringen und konkrete Projekte voranzutreiben. Die Veranstaltung habe gezeigt, dass es Gestaltungsmöglichkeiten gibt. Jetzt komme es darauf an, diese auch gemeinsam zu nutzen.
Ziel bleibt es, gemeinsam mit den Verantwortlichen, den Kommunen, den medizinischen und pflegerischen Akteuren und den Menschen vor Ort tragfähige Lösungen für eine verlässliche und möglichst wohnortnahe Gesundheitsversorgung im Wittlager Land zu entwickeln.
Das Gesundheitssyndikat bleibt dran.
Impressionen
Die Einladung
🗣️ Offene Diskussion zur Gesundheitsversorgung im Wittlager Land
Das Gesundheitssyndikat Osnabrücker Land e.V. lädt alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zu einer Informationsveranstaltung ein.
Uns interessiert vor allem, welchen Stellenwert das Thema Gesundheitsversorgung für Sie hat, wie der Landkreis auf die Krankenhausreform und mögliche weitere Strukturveränderungen vorbereitet ist, wie wir Rettungsdienst und Notarztversorgung in der Fläche sichern und was eine Landrätin bzw. ein Landrat hier überhaupt konkret bewegen kann.
Eintritt
Der Eintritt ist frei!
Mitgliederwerbung
Vor und nach der Veranstaltung werden unsere Vereinsmitglieder natürlich auch gerne eure Fragen zum Gesundheitssyndikat und unserer Vereinsarbeit beantworten.
Plakat
